Fotos Fachklinik Altenkirchen

Fotos Fachklinik Altenkirchen

Logo Fachklinik Altenkirchen

MP Reha-Park Altenkirchen
GmbH & Co. KG


Heimstraße 8
57610 Altenkirchen
Telefon 0 26 81 . 943 - 0
Telefax 0 26 81 . 943 - 111
eMail: info@fachklinik-altenkirchen.de
www.fachklinik-altenkirchen.de

Fotos Fachklinik Altenkirchen
Fachklinik Altenkirchen Therapie der Essstörung

Therapie der Essstörung

Die Besonderheit in der zusätzlichen Behandlung von essgestörten Verhaltensweisen muss notwendigerweise von der Zielvorgabe Kontrolle eigener Verhaltensweisen ausgehen und nicht, wie in allen anderen Bereich der Sucht, von Abstinenz. Nach Entwicklung ausreichender Motivation zur Veränderung, ausdrücklich in kleinen Schritten, ggf. nach intensiver und wiederholter Information zur Entstehung und zu Auswirkungen von Essstörungen, wird mit der Patientin bezüglich des essgestörten Verhaltens eine ausführliche Anamnese erstellt.


Berücksichtigt werden muss im Vorfeld die jeweilige Gefährdung einer Patientin hinsichtlich Gewichtszu- bzw. -abnahme, einseitiger Ernährung mit Mangelerscheinungen usw. Dementsprechend erfolgt die Behandlung im engen Verbund mit der ärztlichen Versorgung. Je nach Situation werden in der Behandlungsvereinbarung Bedingungen festgehalten, wie z.B. Mindestgewicht, Ab- bzw. Zunahme von Körpergewicht im festgelegten zeitlichen Rahmen und/oder erste minimale Veränderungen bei der Nahrungsaufnahme bzw. der Verweigerung von Nahrung bzw. Erbrechen.


Extreme Ausprägung von Anorexie ist daher in unserem Behandlungskonzept nicht zu behandeln. Bereits in der Aufnahmephase wird den Patientinnen der enge Zusammenhang süchtiger Verhaltensweisen verdeutlicht, gerade wenn Bereitschaft besteht, sich von Suchtmitteln zu verabschieden, Veränderungsmotivation hinsichtlich des essgestörten Verhaltens aber kaum oder gar nicht vorhanden ist. Die Einsicht, diese süchtigen Verhaltensweisen nur gemeinsam in Behandlung zu nehmen, erfordert in der Regel erhöhten Einsatz von Validierung, Motivation und Commitment- Strategien. Ausgeprägte Schamgefühle in Verbindung mit stark gestörten Körperschemata machen zudem auch ein erhöhtes Einzelsetting notwendig und sind zumindest in der Anfangsphase nicht in Gruppensettings zu thematisieren.

Essgestörte Verhaltensweisen im Kontext mit anderen süchtigen Verhaltensweisen und/oder auf dem Hintergrund von (Borderline-)Persönlichkeitsstörung und/oder posttraumatischer Belastungsstörung sind wiederum als eine Form selbstschädigender Verhaltensweisen im Sinne von Bewältigungsversuch zu betrachten. Ggf. werden daher alle Behandlungselemente im Rahmen der Essstörung wiederum mit anderen indikativen Bereichen und der Arbeit in den therapeutischen Bezugsgruppen vernetzt.


In der Indikationsgruppe Essstörungen erhalten die Patientinnen Informationen zu möglichen Hintergründen und Krankheitsentstehungsmodellen. Die Patientinnen werden angeleitet und geschult, tägliche Essprotokolle anzufertigen im Zusammenhang mit Spannungs- bzw. Cravingbögen, um Kontextbedingungen und Wirkfaktoren erkennen zu können. Die umfangreichen Dokumentationen werden sowohl in der Indikationsgruppe, wie auch im Einzelsetting besprochen. Je nach Zielhierarchierung benennen die Patientinnen konkrete, übergeordnete Ziele hinsichtlich ihres essgestörten Verhaltens, ggf. auch mit Zielvorgaben für Ab-, Zunahme, oder Erhaltung des Körpergewichts.


Die Bereiche von Körpertherapie, Medizin und Sport sind dabei eng vernetzt in der Arbeit verbunden. Für jede Woche stellt die Patientin, bezogen auf das übergeordnete Ziel, Teilziele zusammen, um so kleine schrittweise Veränderungen im gestörten Essverhalten herbeizuführen. Mittels einer visuellen Analogskala kann die Patientin das Erreichen ihrer Teilziele kontrollieren, ggf. Ziele modifizieren und Erreichtes positiv verstärken.

Je nach Situation werden ggf. weitere Veränderungsstrategien eingesetzt, der Patientin in kleinen Schritten Verhaltensänderungen zu ermöglichen: Insbesondere bei bulimischen Verhaltensweisen nutzen Patientinnen den "Besonderen Esstisch", mit strukturierten zeitlichen Vorgaben von Ritualen bei der Nahrungsaufnahme, so dass zeitnahes Erbrechen nach der Nahrungsaufnahme unter Eigenkontrolle vermindert wird. Dabei erhalten die Patientinnen Unterstützung und Begleitung durch die Diätassistentin. Strukturiertes Essen: Zusammen mit Diätassistentin und Bezugstherapeutin wird mit der Patientin ein tageweises oder wöchentliches Esskonzept erarbeitet, welche Nahrung in Zusammensetzung und Quantität sie bei den einzelnen Mahlzeiten zu sich nehmen wird. Auch hier dokumentiert und protokolliert die Patientin eigenes Vorgehen und Befindlichkeit und modifiziert ggf. ihr Esskonzept mit der Bezugstherapeutin. Portioniertes Essen: BezugstherapeutIn und Diätassistentin besprechen mit der Patientin Zusammensetzung und Quantität von Nahrung aus dem Tagesangebot, die Zuteilung der jeweiligen Portionen erfolgt durch die Küche.


Ernährungsberatung und Lehrküche:

Im Rahmen der Ernährungsberatung findet für Patientinnen mit Essstörung einmal wöchentlich ein 1-stündiges Ernährungsseminar statt. Die Inhalte richten sich an der jeweiligen Situation der Patientinnen aus mit bestimmten Schwerpunkten wie:

  •   Regeln zu gesunder Ernährung

  •   Ernährungslehre zu Inhaltsstoffen, Nährstoffen, Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen

  •   Informationen zur Einteilung von Nahrungsmittelgruppen

  •   Essgewohnheiten

  •   Tagesstruktur, Mahlzeitenstruktur

  •   Ernährungsmythen und Irrtümern

  •   Hunger, Appetit und Sättigungsregulation

  •   Heißhunger

  •   Blutzuckerwirksamkeit verschiedener Kohlenhydrate

  •   Angemessene Portionsgrößen

  •   Vorbereitung, Einkauf und Vorratshaltung

  •   Informationen zu sogenannten Lightprodukten


Begleitete Lehrküche

Die Lehrküche findet unter Anleitung der Diätassistentin statt. Die praktische Schulung der Patientinnen beginnt mit gemeinsamem Einkaufen. Da der Kontakt mit Nahrungsmitteln geprägt sein kann von Angst, Schuldgefühlen, Abhängigkeit und Heimlichkeit erhalten die Patientin klare und konkrete Orientierungshilfen, um sich von ihren zum Teil ritualisierten Regeln und Essmustern distanzieren zu können. Patientinnen mit wenig oder gar keiner Erfahrung im Kochen erhalten hier erste Kenntnisse in der Zubereitung gesunder Nahrung. Viele Patientinnen mit Essstörungen zeigen sich kompetent im Kochen und in der Versorgung anderer, können so aber lernen, ihre Kompetenzen auch in der Selbstfürsorge einzusetzen. In der Vernetzung von Gesprächsinhalten und Wissensvermittlung aus der Indikationsgruppe erhalten die Patientinnen in der Lehrküche praktische Anleitung, neue Verhaltensweisen auszuprobieren. Das gemeinsame Essen im geschützten Kreis ermöglicht auch die Schulung der Achtsamkeit bei der Nahrungsaufnahme im Sinne eines Genusstrainings.


Selbständige Lehrküche

In dieser Gruppe planen die Patientinnen selbständig die Mahlzeit einschl. der Bestellung in der Großküche und der Organisation des Einkaufs. Die Speisen werden gemeinsam zubereitet und anschließend findet ein gemeinsames Essen statt. Die Vor- und Nachbereitung wird gemeinsam mit der Diätassistentin durchgeführt. Von den Patientinnen wird ein Verlaufsprotokoll angefertigt und anschließend mit der Diätassistentin besprochen.